Ehrenamtliche im Portrait  

„Dankbarkeit ist mein Antrieb“

Jobpate Adam Grieg | (c) Katharina Weiss
Jobpate aus Überzeugung: Adam Grieg

Jahrelang hat Adam Grieg im Finanzwesen mit Zahlen jongliert. Seit zwei Jahren macht der Pensionär etwas völlig anderes: Als Pate hilft er ehrenamtlich einem Jugendlichen, Fuß zu fassen und aus der Isolation zu kommen. Das Ziel: Ein fester Arbeitsplatz.

Begonnen hat alles im Februar 2007, als Grieg durch eine Zeitungsanzeige auf ETRAIN (Einstiegsmanagement in Ausbildung oder Arbeit) aufmerksam wurde. In dem Projekt der Caritas Tübingen bekommen jugendliche Arbeitslose einen erwachsenen Paten zur Seite gestellt, der sie bei der Jobsuche unterstützt. Zur selben Zeit wurde der 25-jährige Jonas K.(Name geändert) von seiner Mutter zur Teilnahme an ETRAIN überredet. Grieg war sofort bereit, den seit vier Jahren arbeitslosen jungen Mann zu begleiten. „Ich habe mir gedacht: Wenn wir ihm jetzt nicht helfen – wer hilft ihm dann?“, erzählt der 65-jährige Pensionär.

Grieg, der mit 13 Jahren aus dem ehemaligen Jugoslawien nach Deutschland kam, hat in jungen Jahren selbst Hilfe bekommen und ist dafür bis heute dankbar. Immer wieder hätten ihm andere Menschen Wege gebahnt und ihm zum Beispiel die berufliche Ausbildung ermöglicht. „Diese Dankbarkeit ist mein Antrieb“, erklärt er sein Engagement. Als überzeugter Christ will er Gutes bewirken – und damit auch andere zur Mithilfe ermuntern. Deshalb findet er es schade, dass in Kirchengemeinden der Bedarf an Hilfe nicht sorgfältig genug ermittelt wird. „Gerade für Jugendliche, die nicht aus eigenem Antrieb um Unterstützung bitten, ist das wichtig.“

„Wichtige Dinge des Lebens nie dem Zufall überlassen“

Das gilt auch für Jonas, der gerade einen Lehrgang macht, aber wenig Geduld fürs Lernen aufbringt. Grieg möchte ihn zu einer guten Prüfungsvorbereitung animieren, sieht jedoch den Generationenunterschied als Hürde. „Es ist klar, dass er von mir nicht so viel übernimmt, wie er es von jungen Menschen täte“, findet er. Daher ist eines der Ziele, auf das er mit Projektleiter Heinz Handloser hinarbeitet, dass Jonas mehr Anschluss zu Gleichaltrigen bekommt. Auch das, ein wichtiger Schritt auf dem Weg der Arbeitssuche, denn dem gelernten Großhandelskaufmann fällt es schwer, auf andere zuzugehen. Deshalb verwarfen die beiden auch schnell die Idee eines Praktikums im Kindergarten. „Dinge sind geduldiger als Menschen“, steht für den 25-Jährigen fest.

Doch Grieg gibt nicht auf. Auch nach Beendigung des ETRAIN Projekts am Ende des vergangenen Jahres, führt er die Betreuung privat, aber mit professioneller Anbindung weiter. Er will den jungen Mann nicht fallen lassen. „Man darf die wichtigen Dinge des Lebens nicht dem Zufall überlassen!“, ist sich Grieg sicher. Er hat erlebt, dass es auch in schwierigen Fällen Erfolge geben kann. So wie damals, als er einer Aussiedlerfamilie bei der Wohnungs- und Arbeitssuche geholfen hat. Das Highlight in der Arbeit mit Jonas war dessen kurzzeitige Beschäftigung in einem Internettreff für Senioren. „Da hat er Lob und Anerkennung erfahren. Und das zum ersten Mal in vier Jahren Arbeitslosigkeit.“

Text und Foto Katharina Weiss